Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

 
 
 
 
 
 
 
 

Erfahrungsberichte

Erfahrungsberichte

 

Erfahrungsbericht von Emil Schenkyr (European Studies B.A.)

Nachdem ich leider an beiden Info-Abenden verhindert war, war mein erster Kontakt mit Magdeburg Model United Nations (MadMUN) der Wissenstest. Nach dem Test, an dem mir vor allem gezeigt wurde, wie wenig ich doch über die Vereinten Nationen (VN) weiß, wurde ich aus mir unerklärlichen Gründen trotzdem zum Auswahlgespräch eingeladen. Dort schlug ich mich dann etwas besser und versuchte im fiktiven Verkaufsgespräch meine Überzeugungskünste zur Schau zu stellen. Mit der Zusage ging es dann endlich los. Doch schon kurz darauf folgte der erste Dämpfer. Ein 20-seitiges Summerpaper zusätzlich zu meinen anderen, hübsch aufgesparten, vier Hausarbeiten über die Semesterferien? Kein Problem! So hatte ich endlich auch mal die Möglichkeit mich sowohl mit Mao Zedong als auch mit dem Kommunismus intensiv auseinanderzusetzen.

Nach den Semesterferien ging es dann aber wirklich los. Wir trafen uns wöchentlich und informierten uns in einer ersten Vortragsreihe gegenseitig über die VN, ihre Organe und Funktionen. Nach getaner Arbeit konnte man sich dann wöchentlich in der Unitheke bei einem kühlen Getränk entspannen. Aber noch bevor die erste Vortragsreihe zu Ende war begannen wir schon mit unserem nächsten Projekt, der Vorbereitung unserer ersten, "Magdeburg internen" Simulation, der MadMUN. Los ging es da mit dem Schreiben von Position Papern, in welchen wir den Standpunkt unserer zugeteilten Länder zum Nordkorea Konflikt und zum internationalen Terrorismus eruieren sollten. Glücklicherweise konnte ich mich mit Bolivien größtenteils auch meine persönlichen Interessen vertreten. Neben ein paar kleinen Übungen und dem Durchsprechen des Dresscodes war das aber auch unsere einzige Vorbereitung. Mit einem dementsprechend unvorbereiteten Gefühl betraten wir schließlich das Veranstaltungsgebäude und verbrachten die ersten Stunden in unseren noch neue Rollen. Zwei Tage später verließen wir die MadMUN dann wieder und fühlten uns, als hätten wie nie etwas anderes getan als mit anderen Delegierten Kompromisse auszuhandeln. Damit war dann auch der erste Teil des Semesters erledigt.

Nach den Weihnachtsferien stürzten wir uns in die nächste Vortragsreihe, dieses mal um unser Land für New York, Brasilien, besser kennenzulernen. Die Vorbereitung für unsere zweite Simulation, dieses mal deutschlandweit und ein kleiner Vorgeschmack auf New York, lief quasi nebenher. Diese sogenannte GerMUN fand in Weimar statt. Wir reisten ganze drei Tage vorher an um uns auf New York - nicht die GerMUN - vorzubereiten. Diese drei Tage verbrachten wir, ausgestattet mit Laptop und Nervennahrung, gemeinsam in einem Raum und schrieben unsere Position Paper für New York. Als die GerMUN dann endlich anfing und die Position Paper fertig geschrieben waren, war es gar nicht so einfach sich wieder umzustellen, von Brasilien und der Commission für Social Development - meiner Rolle in New York - auf Portugal und die General Assembly - meiner Rolle für die GerMUN. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit verlief aber auch die GerMUN problemlos und wir konnten uns schon gut an die allabendlichen Debriefings mit den Orgas gewöhnen.

Ein paar Wochen später trafen wir uns dann alle im Sheraton Hotel in New York wieder. Wir verbrachten die wenigen Tage bis zum Beginn der Simulation mit Sightseeing, einem Besuch der Permanenten Vertretung Brasiliens bei den Vereinten Nationen und einer Führung durch den Hauptsitz der VN. Vor allem der Besuch der Vertretung Brasiliens war sehr aufschlussreich, da wir das große Glück hatten dem Botschafter detaillierte Fragen zur Position Brasiliens zu den Themen der verschiedenen Committees stellen zu können. Dementsprechend vorzüglich vorbereiten begann die Konferenz für meinen Committee-Partner und mich dann schon eine halbe Stunde vor der ersten Sitzung. Um schon vom ersten Moment an mit ausgezeichnetem Verhalten zu glänzen fanden wir uns schon 45 Minuten vor offiziellem Sitzungsbeginn vor dem Raum ein. Als dann nach und nach weitere motivierte Delegats zu uns stießen konnten wir schon erste Kontakte knüpfen und uns über die Agenda austauschen. Innerhalb der ersten Sitzung wurde diese dann, hoffentlich auch aufgrund unserer Verhandlungskünste, unseren Vorstellungen entsprechend verabschiedet. Die Eröffnungszeremonie am ersten Tag fand im VN-Gebäude im Saal der Generalversammlung statt und war dementsprechend beeindruckend. Die folgenden Tage waren geprägt von intensiver Arbeit, reißerischen Reden und gelegentlicher Frustration. Das Ergebnis konnte sich dann aber auch sehen lassen und so saßen wir zufrieden in der Schlusszeremonie.

Alles in Allem habe ich durch die Arbeit im Seminar und die Teilnahme an den Simulationen viel über die VN, diplomatische Arbeit und auch mich selbst gelernt. Vor allem das simulieren hat mir sehr viel Freude bereitet, sowohl im Alleingang auf den ersten beiden Simulationen als auch im Team in New York. Durch das Vertreten einer fremdem Meinung und der intensiven Interaktion mit vielen anderen Delegierten gewinnt man eine ganz neue Sicht auf sich, die VN und andere Länder.

Erfahrungsbericht von Felix Jahn (European Studies B.A.)

Als ich zum ersten Mal von MadMUN hörte war ich recht skeptisch: Zwar war ich durchaus an den Themen VN, Diplomatie und internationale Beziehungen interessiert, aber es bedeutete Extraarbeit neben dem Studium und außerdem war das Reden vor vielen Leuten nie meine Stärke gewesen. Aber da einige Kommilitonen auch teilnehmen wollten und mir klar war, dass wenn ich das Reden nicht übe, sich meine Rhetorik auch nicht bessern würde, ging ich einfach mal zur Auswahlkausur. Überraschend kam die Einladung zum Auswahlgespräch und noch überraschender, die schnelle Zusage danach.

Das erste Treffen war dann Fluch und Segen zugleich. Nachdem das erste Eis gebrochen war und man mit der Gruppe zarte Kontakte geknüpft hatte, wurden wir daran erinnert, dass jeder über den Sommer eine 20-seitige Hausarbeit zu verschiedenen historischen und politischen Themen zu schreiben hatte. Statt den Feierabend nach getaner Arbeit genießen zu können, saß ich dann abends in Spanien und später auch in Russland und schrieb über das durchaus interessante Thema Vietnam Krieg, während ich meine Entscheidung über die Teilnahme an MadMUN hinterfragte.

Aber irgendwann war es dann geschafft und das eigentliche Seminar ging los. Dort stellten wir uns gegenseitig nicht nur in Präsentationen die unterschiedlichen Organe der VN vor, sondern hielten auch unsere ersten Reden - spontan und ohne große Erklärungen. Das resultierte zwar manchmal in Phrasengedreschen und einem "entrüsteten" Chair, sollte sich aber später noch als sehr hilfreich erweisen. So lernte man nämlich nicht nur die ganzen Formalitäten einer echten Sitzung kennen, sondern auch das notwendige Übel der diplomatischen Sprache: Phrasendreschen. Nebenbei schrieben wir unsere ersten Position Paper in Vorbereitung auf unsere erste Konferenz Mitte Dezember auf der Huysburg, die ich als Ukraine bestreiten sollte. Für mich war die erste Recherche für die Ukraine dabei doppelt so spannend, da ich dort bald zwei Auslandssemester verbringen werde.

Auf der Huysburg sollte es dann im Sicherheitsrat um die Themen Nordkorea sowie Terrorismus gehen. Nach langer Vorbereitung saßen wir schließlich fein herausgeputzt und extremst aufgeregt im Konferenzsaal und hofften wahrscheinlich alle, dass wir es nicht komplett vermasseln würden. Sich das erste Mal auf die Rednerliste setzen zu lassen und dann die ersten "echten" Reden zu halten war dementsprechend noch etwas zaghaft, aber mit jeder weiteren Rede wurde man sicherer. Ab dem zweiten Tag hatte man die Simulation langsam verstanden und es begann Spaß zu machen, sich gegenseitig in Reden verbal anzugreifen oder in informellen Sitzungen einzelne Wörter einer Resolution auszudiskutieren. Und nach etwaigen Aussetzern konnte man sich notfalls immer mit den Floskeln und Formalia des "diplomatic conduct" retten. So schafften wir es tatsächlich, für beide vorbereiteten Themen Resolutionen zu beschließen und eine anstrengende, aber gute Konferenz ging zu Ende. Durch die gemeinsame Erfahrung waren wir nach der Huysburg endgültig eine eingeschweißte Truppe geworden.

Nun ging es ans Eingemachte: Es standen für Ende Februar die GerMUN in Weimar und im März schließlich die große Reise zur NMUN in New York an. Für die GerMUN sollte ich Venezuela im Human Rights Council vertreten, für die NMUN hatten wir als Gruppe Brasilien zugeteilt bekommen. Auf letztere Rolle bereiteten wir uns im Januar und Februar akribisch mit Referaten und aktuellen News vor. Zudem begannen wir schon unsere Position Paper zu schreiben, ich für die eher kleine "Commission on Social Development". Zusammen mit dem normalen Unialltag wurde das teilweise sehr stressig. 

Direkt vor der Konferenz in Weimar trafen wir uns noch für die "Hardworking-Phase", in der wir unsere Position Paper endgültig perfektionierten. Sie machte nicht nur krankheitsbedingt ihrem Namen alle Ehre. Für die GerMUN selbst konnte ich mich ebenfalls krankheitsbedingt leider wenig vorbereiten, es war dennoch eine sehr interessante Erfahrung, ein so kontroverses Land wie Venezuela zu vertreten und die Rolle auch dementsprechen auszureizen. Daher fuhr ich auch hier absolut kaputt aber schlussendlich zufrieden heim.

Nachdem wir uns erholt hatten und Manche noch privat durch die USA und New York gereist waren, sammelten wir uns am 15. März dann endlich im New Yorker Sheraton Hotel, wo die größte Konferenz von Allen, die NMUN mit 5000 Delegierten, stattfinden sollte. Bis zum eigentlichen Beginn am 18. März standen allerdings noch Raumbegehung, Besuche bei der brasilianischen Mission sowie bei den VN an. Durch das monatelange Hinarbeiten fühlte man sich bestens vorbereitet und konnte nur müde über die Fehler anderer Delegierte lächeln, die man von sich selbst noch von der Huysburg kannte. Dennoch war es ein kleiner Kulturschock, mit den unterschiedlichen internationalen Teilnehmern zusammen zu arbeiten. Die NMUN generell lief etwas anders als die beiden vorherigen Konferenzen ab, nicht zuletzt wegen der schieren Größe, wurde aber dennoch ein voller Erfolg. Unser Commitee beschloss vier Resolutionen, bei denen mein Co-Delegate und ich teilweise maßgeblich mitgewirkt hatten.

Nach der letzten Sitzung - man ahnt es schon - hundemüde aber überglücklich mit zwei Pizzas für die Gruppe durch den Schnee über den nächtlichen Times Square zu stapfen, mit der Gewissheit, sowohl Outstanding Delegation als auch mit einem Outstanding Position Paper Award ausgezeichnet worden zu sein....spätestens da war ich mir selbst einfach nur dankbar, dass ich mich trotz aller Zweifel für MadMUN beworben habe und die stressigen Phasen tapfer durchgehalten habe.

Es ist ein Haufen Arbeit, die manchmal sehr anstrengend sein kann, aber dafür ist es eine einzigartige Erfahrung und Chance sich selbst zu entwickeln. Ich selbst habe mich rhetorisch und persönlich weiterentwickelt, mein Englisch verbessert und viele neue, tolle Leute kennen gelernt.

 

Letzte Änderung: 07.05.2018 - Ansprechpartner: Webmaster
 
 
 
 
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MadMUN XIX
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