Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

 
 
 
 
 
 
 
 

Erfahrungsberichte

Erfahrungsberichte MadMUN XVII

von Laura Schwarz:

Be the change you want to see in the world“ – Mahatma Gandhi

Ähnliches ging uns wohl allen durch den Kopf, als wir vor rund neun Monaten an der Info-Veranstaltung über das MadMUN-Seminar teilnahmen. Um allerdings im Rahmen der größten UNO-Simulation die Welt zu verändern, mussten wir uns zunächst durch die kniffeligen Allgemeinwissens-Fragen der Aufnahmeklausur beißen und zudem noch Geschick beim Reden schreiben beweisen. Auch im anschließenden Auswahlgespräch waren noch einmal unser gesammeltes Wissen und Schlagfertigkeit gefragt. Umso erleichterter und voller Vorfreude waren wir, als endlich der ersehnte Anruf kam: „Wir hätten dich gerne als Delegate in New York dabei!“.

Jedoch sollten wir bald feststellen, dass unser Delegate-Dasein nicht nur mit einer Reise nach Big Apple, sondern auch mit jeder Menge Arbeit verbunden war. Das 20-seitige „Summerpaper“, in welchem jeweils ein geschichtliches Thema behandelt wurde, markierte daher den Anfang von vielen Stunden in der Bibliothek und (in einigen Fällen) etlichen schlaflosen Nächten. Hinzu kamen ab Anfang des Wintersemesters unsere wöchentlichen Sitzungen – auf unserer Agenda standen nun Themen wie die Umwelt-, Wirtschafts- und Entwicklungspolitik der Vereinten Nationen. Durch Vorträge vor der versammelten Delegation, sowie der Erarbeitung von Länderprofilen und dem Schreiben von „Position Papers“ fühlten wir uns im Dezember gut auf unsere erste Simulation auf der Huysburg vorbereitet.

Dort wurde uns jedoch schnell klar: Gute theoretische Vorbereitung ersetzt nicht die Praxis. Obwohl wir unsere zu vertretenden Länder gründlich studieret hatten, fühlten wir uns einigermaßen verwirrt und ins kalte Wasser geworfen, als wir im Saal des Klosters die dreitägige Sitzung des UN Sicherheitsrats eröffneten. Auch das Problem, für welches es einen Lösungsansatz zu finden galt, war eher heikel: Wie können die Vereinten Nationen den Frieden in Syrien wieder herstellen? Zum ersten Mal wurde uns bewusst, wie schwierig sich ein solches Unterfangen gestaltet, wenn Länder mit unterschiedlichsten Interessen, etwa die USA und Russland, am Verhandlungstisch sitzen. Trotz kontroverser Meinungen, einiger Vetodrohungen, Schlafmangel und vielleicht auch auf Grund des guten Essens, wurden schließlich zwei Resolutionen verabschiedet.

Frei nach dem Motto „Nach der Simulation ist vor der Simulation“ begannen zurück in Magdeburg die Vorbereitungen für die deutschlandweite Simulation (GerMUN) in Strausberg und die weltweite Simulation (NMUN) in New York. Zusammen mit der Ludwig-Maximilian-Universität aus München standen wir nun vor der Herausforderung, mit Indien ein so vielfältiges Land in New York zu vertreten, dass wir nur staunen konnten. Sowohl Indiens Atompolitik, Gandhis Kampf für die Unabhängigkeit und die Lüftung des Mythos, dass alle Inder in der IT-Branche beschäftigt sind, ließen unsere Köpfe rauchen. Gekrönt wurden unsere Bemühungen, dieses komplexe Land zu verstehen, mit der Erarbeitung von „Position Papers“ hinsichtlich der Position, die Indien im Hinblick auf verschiedene Bereiche vertritt.

Bevor die „indische“ Delegation jedoch in den Flieger nach New York stieg, hieß es für uns: Ab nach Strausberg zur GerMUN! Hier konnten wir endlich hautnah erfahren, wie sich eine größere Simulation anfühlt. In verschiedenen Komitees wie der Generalversammlung und dem Menschenrechtsrat vertraten wir eine breit gefächerte Palette an Ländern wie Singapur, Belarus, Kolumbien und Nordkorea. Zudem konnten wir hier unsere Partner für New York von der LMU München auch abseits der politischen Diskussion schon einmal kennenlernen. Auch wenn bei 100 anderen Teilnehmern natürlich mehr Durchsetzungsvermögen als noch bei der internen Simulation gefragt war, so konnten wir doch unsere Rede- und Verhandlungsfähigkeiten perfektionieren und fühlten uns gut auf die Reise nach New York vorbereitet.

Allerdings sollte sich besonders das „Reisen“ für unsere Delegation als schwierig gestalten. Schon im Vorfeld machte eine gewisse Paranoia die Runde, ob unsere Visumsanträge auf Grund von Präsident Trumps verschärfter Einreisepolitik überhaupt bearbeitet werden würden. Hinzu kamen sowohl ein unerwarteter Blizzard an der US-Ostküste, sowie ein mehrtägiger Streik am Flughafen Tegel, was einen Großteil von uns dazu zwang, unsere Flüge zu verschieben. In New York angekommen erwarteten uns folglich statt dem erhofften lauen Märzwetter Schneeberge und Minustemperaturen.

Solche Lappalien taten unserem Enthusiasmus trotzdem keinen Abbruch. Obwohl wir verspätet in New York eintrafen, blieb gerade noch genug Zeit für eine Besichtigung der UN Headquarters und einen Besuch in der Indischen Botschaft. In den folgenden Tagen diskutierten und verhandelten wir dann in über zehn UN-Komitees mit Studenten aus aller Welt. Dabei fanden wir in unseren diplomatischen Verbündeten auch internationale Freunde und bevor wir uns versahen, saßen wir am fünften Tag in den heiligen Hallen der „echten“ UN Generalversammlung. Einige von uns hatten dort sogar die Gelegenheit, über die in den Komitees erarbeiteten Resolutionen nach echter UNO-Manier abzustimmen. Für uns andere war dies trotzdem ein echtes Highlight – nicht zuletzt, weil wir hier als „Herausragende Delegation“ geehrt wurden!

Alles in allem werden wir uns sicherlich noch lange an MadMUN als herausragende Erfahrung unserer Unilaufbahn erinnern, bei der sich am Ende all die harte Arbeit und unser Einsatz mehr als ausgezahlt haben. Bei uns blieb das Gefühl, dass wir durch das Projekt nicht nur ein besseres Verständnis für Weltpolitik entwickelt haben, sondern auch, dass Verständnis der erste Schritt zur Veränderung ist. Um es mit den Worten der Bürgerrechtlerin Hina Shamsi auf der NMUN Generalversammlung in New York auszudrücken: "Ihr seid nicht nur alle willkommen, ihr werdet auch alle gebraucht!"

 

Wie wurde ich durch MadMUN zu einem Menschen?

von Thanushia Thiravianatan:

Der Grund für meine Entscheidung bei MadMUN teilzunehmen, war die Unzufriedenheit, welche ich im zweiten Semester meines Bachelor- Studiums in European Studies verspürte. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich nicht das Gefühl, etwas lehrreiches von all den besuchten Vorlesungen und Seminaren mitgenommen zu haben. Aus diesem Grund suchte ich nach Herausforderungen und etwas neuem, was mich beanspruchte. Folglich bewarb ich mich bei MadMUN. Die Tatsache mitgemacht haben zu dürfen baute nicht nur meine Unsicherheiten ab, sondern förderte vor allem den Ehrgeiz in mir.

Als ich bei der ersten Auswahlrunde beim Allgemeinwissenstest mitmachte, war ich zunächst mehr als abgeneigt. Meinem Empfinden zu folge schien ich den Erwartungen des Projektes nicht gewachsen zu sein. Befürchtungen wie „Ich bin nicht so selbstbewusst“ oder „Ich bin nicht wirklich diszipliniert“ gingen mir durch den Kopf. Dementsprechend gab ich die Hoffnung auf als Delegate ausgewählt zu werden. Umso überraschter war ich über die Einladung zum Auswahlgespräch. Meine Unsicherheiten begleiteten mich trotzdem. Aufgrund meines vollen Stundenplans hatte ich keine Zeit gefunden, mich auf das Gespräch vorzubereiten. Folglich verlief das Auswahlgespräch meines Erachtens nach nicht gut. Es war eine Mischung aus Polarisierung, Verwirrtheit und Unentschlossenheit. Nachdem ich die Tür des Büros mit einem schlechten Gefühl hinter mir schloss, dachte ich: „Okay, das war's dann wohl.“ Aber einige Tage später erhielt ich die Zusage, welche ich sehr verwirrt, aber vor allem sehr glücklich entgegen nahm!

Die erste Herausforderung stellte das 20- seitige „Summer Paper“ dar, in welches ich mehr Zeit, Energie und vor allem Nerven investierte als in normale Hausarbeiten. Umso zufriedenstellender war das Gefühl nach der endgültigen Abgabe! Auch das Niveau der MadMUN-Seminare war im Vergleich zu den anderen Seminaren sehr viel anspruchsvoller und informativer. Bei den Vorbereitungen für die erste Simulation des UN Sicherheitsrates auf der Huysburg hatte ich noch nie so viele Nächte durchgearbeitet und so viele Stunden in der Bibliothek verbracht. Diese Zeit der Vorbereitung war nicht nur prägend für mich, sondern vor allem wegweisend für die kommenden Simulationen. Ich hätte nie gedacht, dass ich durch die erste Simulation eine disziplinierte und ehrgeizige Seite an mir entdecken würde. Zusätzlich hatte ich das Glück, von einem sehr kompetenten Tutor begleitet zu werden, welcher immer motivierende und aufbauende Worte fand. Ich hatte unglaublich starke Zweifel und Unsicherheiten vor der Simulation, aber während dieser Sitzung bemerkte ich ganz neue Seiten an mir. Meine Unsicherheit verschwand, ich arbeitete zielorientiert und war überzeugt von dem, was ich in meinen Reden sagte.

Nach dieser dreitägigen Sitzung konnte ich nicht glauben, dass ich mich tatsächlich auf die GerMUN in Berlin freute!


Bei der GerMUN angekommen, wurde ich zunächst von der Größe und Dimension der Simulation erschlagen. Schließlich gab es ungefähr 100 Studenten, die jeweils ein anderes Land repräsentierten. Obwohl eindeutig mehr Durchsetzungsvermögen und Geduld gefragt war, konnte ich das theoretisch erlernte in die Praxis umsetzen und verbessern, sodass ich ideal auf New York vorbereitet wurde. Trotz großer Anstrengungen und Mühe ließ diese fünftägige Sitzung die Vorfreude auf New York in mir steigen!

Die dreitägige intensive „Hardworking Phase“ bereitete uns perfekt auf die NUM vor. Folglich war es ein unglaublich tolles Gefühl, endlich mit der gesamten Delegation in New York zu stehen und alles theoretisch erlernte in die Praxis umzusetzen. Es hat mir wahnsinnig Freude bereitet, die Rolle Indiens im Human Rights Council zu spielen und auf die anderen Delegationen einzugehen, denn dank GerMUN ist meine Kapazität an Durchsetzungsvermögen und an Überzeugungskunst gestiegen. Obwohl die Zeit bei NMUN mit Schlafmangel und Stress verbunden war, bin ich wirklich über mich hinaus gewachsen. Dies hat sich vor allem während den „Informal Sessions“ bemerkbar gemacht, als ich zum Beispiel das „Working Paper“ und die „Draft Resolution“ schrieb.

Mit den gemeinsam unternommenen Ausflügen und der allgemein zusammen verbrachten Zeit wurde der Aufenthalt in New York wirklich wunderbar!

Ein großer Teil meines Wohlbefindens bei MadMUN entstand vor allem durch das tolle Orga- Team, welches auf Augenhöhe konstruktive Kritik äußerte und stets um ein Gemeinschaftsgefühl bemüht war. Aus diesem Grund trafen wir uns zum Beispiel regelmäßig in der Uni-Theke. Während der Zeit bei MadMUN habe ich wirklich tolle Menschen kennengelernt, mit denen ich sogar heute noch gerne etwas unternehme.

Ich kann das Projekt jedem ans Herz legen, der nach Herausforderungen sucht und gerne ins kalte Wasser springt. Was hat Indira Gandhi einmal gesagt? „There are two kinds of people, those who do the work and those who take the credit. Try to be in the first group; there is less competition there.“

 

Letzte Änderung: 30.04.2017 - Ansprechpartner: Webmaster
 
 
 
 
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MadMUN XIX
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