Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

 
 
 
 
 
 
 
 

Erfahrungsberichte

Erfahrungsbericht von Friederike Ludwig, 2016

Die letzten acht Monate waren etwas ganz Besonderes. Eine bunte Mischung aus harter Arbeit, Erfolgen, Rückschlägen, neuen Freundschaften und unvergesslichen Erlebnissen. Es war eine Zeit, die wir niemals hätten missen wollen.

Als wir uns das erste Mal trafen, wusste wohl noch keiner, wie uns diese Zeit prägen sollte.

Auf einer Infoveranstaltung wurde uns das Projekt vorgestellt und wir alle verließen die Veranstaltung mit dem Gedanken, dass das nach einer ziemlich coolen Sache klingt. Mich persönlich reizte nicht nur die Chance auf eine Reise nach New York City sondern viel mehr die Möglichkeit, viele neue Dinge über aktuelles Weltgeschehen und Weltpolitik zu erfahren, andere Menschen kennenzulernen und Erfahrungen fürs Leben zu sammeln.

Kurze Zeit später folgten eine Auswahlklausur und ein Gespräch und Wochen später endlich der ersehnte Anruf: Du bist dabei!

Das war der Beginn vieler Stunden in der Bibliothek und vor dem Laptop. Wir begannen unsere Model United Nations (MUN) Karriere mit einer 20-seitigen Hausarbeit über Themen, die sich über die letzten 100 Jahre und die ganze Welt erstreckten und prägend waren  für die Geschichte, Entwicklung und Arbeit der Vereinten Nationen (UNO).

Mit dem Beginn des Wintersemesters im Oktober fingen auch unsere wöchentlichen Sitzungen an. Wir begannen sofort, uns die rechtlichen Grundlagen, Arbeitsfelder und Organe der UNO zu erarbeiten und präsentierten verschiedene Themengebiete gemeinsam. So lernten wir uns schon gut kennen und gewöhnten uns an die Arbeitssprache Englisch. Jedem theoretischen Teil folgte ein praktischer und wir übten, Reden aus dem Stehgreif zu halten, oder lernten etwas über das des Debattierens der UNO.

Zwei Monate dauerte es, bis wir unser erworbenes Wissen und unseren Tatendurst zum Einsatz bringen konnten: Am letzten Novemberwochenende fand unsere erste UN-Simulation im Roncalli-Haus in Magdeburg statt. Wir simulierten eine Sitzung des UN Sicherheitsrat und bekamen einige Wochen, bevor es ernst wurde, unsere Länderrollen zugeteilt. Die übrige Zeit nutzten wir, um uns mit unserem Land vertraut zu machen, zu verstehen, welche Geschichte und politischen Einstellungen und Konflikte deren Handeln in der UNO beeinflussen, sodass wir unser Land bestmöglich und realistisch vertreten konnten. Zusätzlich machten wir uns an unsere ersten Positionspapiere zu den Themen „Die Situation der Flüchtlinge im Nahen Osten“ und „Universeller Zugang zu Wasser als Voraussetzung zu langfristiger Friedenssicherung“ versuchten wir, die akuten Probleme zu erfassen und Lösungen zu finden, die zu der politischen Einstellung unseres Landes passen. Zum Glück stand jedem von uns bei dieser schwierigen Aufgabe ein ehemaliger Teilnehmer von Magdeburg Model United Nations (MadMUN) mit Rat und Tat zur Seite. Nach anfänglicher Nervosität und Unsicherheit erfassten uns der Spaß und der Ehrgeiz, unsere Ideen durchzusetzen, und wir fühlten uns schnell sicherer beim Reden halten, Diskutieren und Verhandeln. Obwohl wir an diesem Wochenende unabhängige Länder vertraten und für unsere Ideen kämpften, wuchsen wir doch ab diesem Zeitpunkt zu einem Team zusammen.

Nach diesem ersten unvergesslichen Erlebnis begannen wir an unseren wöchentlichen Treffen und auch individuell, uns auf unsere Rolle in New York vorzubereiten. Erneut hielten wir Vorträge, diesmal über Wirtschaft, Innen- und Außen- und Sicherheitspolitik und Kultur, um uns mit Frankreich, unserer Länderrolle vertraut zu machen und so viel wie möglich zu lernen, damit wir unseren Auftritt in New York so realistisch wie möglich gestalten konnten. Nachdem wir so viel Wissen wie möglich angehäuft hatten, begannen wir, in Zweierteams unsere Positionspapiere für unsere Komitees in New York zu verfassen. In einer Intensivarbeitsphase trafen wir uns für drei Tage in der Universität, um unsere Paper zu perfektionieren. Diese Anstrengung sollte sich aber später auszahlen.

Gleich im Anschluss daran fuhren wir alle nach Weimar, um an German Model United Nations (GerMUN) teilzunehmen. Erneut vertrat jeder von uns ein anderes Land, entweder in der Generalversammlung oder im Sicherheitsrat. Für viele von uns war es nun die Chance, ein größeres Komitee zu erleben und wir alle konnten unsere Erfahrungen von der GerMUN anwenden und vertiefen. Nach fünf Tagen des Verhandelns fühlten wir uns gewappnet für National Model United Nations (NMUN) in New York.

Am 17. März trafen wir alle im Sheraton Hotel in New York City ein. In den ersten Tagen hatten wir noch die Gelegenheit, die Stadt zu erkunden, bevor die Simulation losging. Außerdem bekamen wir die Gelegenheit, die Ständige Vertretung Frankreichs bei den Vereinten Nationen zu besuchen, wo wir weitere Informationen zu Frankreich aus erster Hand erfahren und erfragen konnten. Anschließend konnten wir an einer Führung durch das UNO Gebäude teilnehmen. Es war sehr beeindruckend, die offiziellen Tagungsräume von innen zu sehen.

NMUN begann mit einer offiziellen Eröffnungszeremonie im Hotel. Danach gingen wir alle in unsere Komitees und begannen, zunächst die Agenda und dann das ausgewählte Thema zu verhandeln. Für uns alle war es eine Herausforderung, aber eine unglaublich positive Erfahrung und mit viel Spaß verbunden. Wir sprachen mit vielen Leuten aus verschiedenen Ländern, lernten einander kennen, verhandelten und schrieben gemeinsam Resolutionen. Es war ein tolles Gefühl zu merken, wie sich die harte Arbeit der vorigen acht Monate auszahlt. Beendet wurde die Simulation mit einer Abschlusszeremonie im Saal der Generalversammlung. Ein letztes Mal durften wir spannende und inspirierende Reden hören und stolz unsere Auszeichnungen für unsere Positionspapiere und für uns alle als „Herausragende Delegation“ abholen.

Damit war MadMUN XVI zwar offiziell beendet, aber uns bleiben großartige Erinnerungen und Freundschaften. Auch nicht zu vergessen die akademischen Leistungen und Erfahrungen, die wir gesammelt haben. Wir lernten akademisches Arbeiten, freies und spontanes Reden auf Englisch, diplomatische Verhandlungsweisen und ganz besonders eines: „Unmöglich ist nicht Französisch (Napoleon Bonaparte)!

 

Erfahrungsbericht von Olivia Alphons, 2016

“How can anyone govern a nation that has two hundred and forty-six different kinds of cheese?“ (Charles de Gaulle)

Fast 9 Monate sind nun vergangen, seit wir in das 16. Jahr „Magdeburg Model United Nations“ (MadMUN) gestartet sind. Jetzt ist alles seit fast 4 Wochen vorbei und die uns groß angekündigte MadMUN-Depression macht sich bemerkbar: Wie fülle ich denn nun meine freie Zeit, wenn nicht mit „Position Paper“ (Thesenpapiere) über die Flüchtlings-, Umwelt-, oder Sicherheitspolitik Frankreichs? Kann ich dieses Semester eigentlich 40CP machen? Ich habe zu wenig zu tun!

Alles begann damit, als wir uns im Juni 2015 in einem Raum mit etwa 15 Leuten wiederfanden, um in einem kleinen Aufnahmetest unser Allgemeinwissen unter Beweis zu stellen. Es wurde uns gesagt: „Ach das ist nur halb so wild. Das ist einfach nur, damit wir uns einen Überblick schaffen können, was ihr wisst oder auch nicht. Macht euch keine Gedanken!“ Naja gut, dass die Fragen doch nicht so leicht waren, wie wir erhofft hatten, lies uns am Ende ein wenig verunsichert zurück. Als dann aber das Auswahlgespräch geschafft war und der rettende Anruf mit den Worten: „Wir hätten dich gerne dabei!“ kam, machte sich bei uns allen die Vorfreude breit. Dass diese jedoch schnell durch 20 Seiten „Summerpaper“ unterdrückt wurde, hinderte uns dennoch nicht daran, uns in den Semesterferien in ein uns jeweils zugeteiltes Geschichtsthema einzuarbeiten. Die Uni-Bibliothek wurde von da an zu unserer zweiten Heimat ...

Nun, da zu Beginn des neuen Semesters die erste Hürde geschafft war und wir uns ‚warmgearbeitet’ hatten, ließen die ersten Vorträge, „Position Paper“ und Länderprofile nicht auf sich warten, denn: die erste Simulation im Roncalli Haus stand bereits im November auf dem Plan. Die Devise: ab mit uns Mädels ins kalte Wasser! Mit wenig Schlaf, viel Kaffee und Essen und einer großen Portion Enthusiasmus simulierten wir über drei Tage hinweg den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UNO). Das Ergebnis lies sich sehen: trotz einer kurzen Vertrauenskrise kooperierten die fünf ständigen Mitglieder (Permanent 5) des Sicherheitsrates harmonisch miteinander und am Ende wurden alle vorgestellten Resolutionsentwürfe ratifiziert.

Während unserer darauffolgenden wöchentlichen Treffen, nahmen ab Dezember nun die Vorbereitungen für die German Model United Nations (GerMUN) in Weimar sowie die National Model United Nations (NMUN) in New York ihren Lauf. Das Übliche stand auf dem Plan: Vorträge halten, Paper schreiben und viel Zeit in der Uni-Bibliothek verbringen. Uns wurde, mit der Ludwig-Maximilians-Universität München als Partnerdelegation, die Ehre zuteil Frankreich als eines der „Permanent 5“ Mitglieder in New York zu repräsentieren. Bis dato beschränkten sich unsere Französischkenntnisse weitgehend nur auf die überlebenswichtigen Dinge: croissant, baguette, La tour Eiffel und fromage. Selbst die Hymne war uns fremd ...

In Gedanken schon auf dem Empire State Building, wartete aber noch die zweite große Herausforderung auf uns: die GerMUN. Nicht als ein gemeinsames Land, sondern jeder einen Staat vertretend, stiegen wir in den Ring, um mit knapp 50 weiteren „Munis“ die Generalversammlung bzw. den Sicherheitsrat zu simulieren. Unterdessen stieg der Koffeinkonsum um das Dreifache und unter den Mädchen entstand der Wettbewerb, welcher Abdeckstift den Augenringen am besten den Kampf erklärt. Dennoch erzielten wir sehenswerte Ergebnisse und waren nun mehr als bereit als „French Delegation“ in New York den bekanntlich französischen Sturkopf durchzusetzen.

Am 17. März ging es dann also los. Für manche von uns war es der erste große Ausflug nach NY City und dementsprechend waren der Vorfreude und Nervosität keine Grenzen gesetzt. Bevor die Simulation sonntags eröffnet wurde, warteten als Vorgeschmack Sightseeing sowie Besuche in der französischen Botschaft und der UNO auf uns. Die darauffolgenden Tage der NMUN gingen so schnell vorbei, dass wir uns selbst mehrmals kneifen mussten, als wir am letzten Tag der Konferenz nun nichtmehr in einem Hotelseminarraum, sondern in den echten Räumlichkeiten der Generalversammlung der UNO saßen. Es war ein einmaliges Erlebnis mit so vielen internationalen Studenten die Arbeit der einzelnen UNO Komitees zu gestalten. So wurden nicht nur diplomatische Kontakte geschlossen, sondern auch Freunde auf der ganzen Welt gefunden. Am Ende merkten wir, dass all die Arbeit während der letzten Monate sich rentiert hatt. Belohnt wurden wir dafür mit einer Auszeichnung als ‚Herausragende Delegation’. Einen besseren Abschluss hätten wir uns nicht vorstellen können!

Beim Zurückblicken machen sich viele gemischte Eindrücke und Gefühle breit: der Nachklang der Müdigkeit, ein wenig Sentimentalität, viel Freude aber vor allem ein sehr hohes Maß an Stolz. MadMUN hat uns über uns hinauswachsen lassen und uns gezeigt, dass Weltpolitik doch nicht so fern ist, wie man sich vielleicht denkt.

Letzte Änderung: 27.07.2016 - Ansprechpartner: Webmaster
 
 
 
 
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MadMUN XIX
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madmun@ovgu.de https://www.facebook.com/madmun
 
 
 
 
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