Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

 
 
 
 
 
 
 
 
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Erfahrungsbericht

Im letzten Sommer bewarb ich mich bei MadMUN (Magdeburg Model United Nations 2013), dem Uni-Projekt, in dem Studenten Diplomaten spielen dürfen. Dank der Info-Veranstaltung wusste ich, dass es ein zeitaufwendiges und sehr intensives Projekt werden würde und war deshalb vor dem Start des Projekts durchaus skeptisch. Aber probieren geht über studieren, dachte ich mir – und das Projekt klang sehr interessant. Schon bei der Auswahlklausur kamen mir die Gedanken, die während des ganzen Projektes zu zuverlässigen Begleitern werden sollten: Das sollte ich – das sollte man – sowieso wissen. Tat ich aber nicht. Und trotzdem wurde ich angenommen und Teil der MadMUN XIII – Delegation. Im Herbst haben wir versucht, den abstrakten und im Alltag zu pauschal verwendeten Begriff der „Vereinten Nationen“ zu konkretisieren und zu verstehen. Unsere Referate über ihre größten Aufgabenbereiche haben wir in den abendlichen Seminarsitzungen gehalten, die unsere Orgas leiteten. Das Spaß/Pflichtbier nach den Sitzungen gab mir die Möglichkeit, alle „honorable fellow delegates“ unserer Delegation besser kennen zu lernen. Selten habe ich so viele unterschiedliche Studenten auf einem Fleck gesehen, die sich mit ganz verschiedenen Motivationen und Interessen der gleichen Thematik nähern. Aus vielen Studiengängen zusammengewürfelt hat meine Delegation mich dazu gebracht, meine Vorstellungen und Vorurteile über Menschen und Sachfragen zu überdenken. Einen großen Teil der guten Erfahrungen, die ich gemacht habe, verdanke ich dieser Gruppe.


Neben den Seminaren bereiteten wir uns bereits auf die Huysburg vor, wo unsere erste interne Simulation bzw. der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen tagen sollte. Die größte Schwierigkeit war dabei für mich, nicht nur die Positionen meines Landes – ich durfte Indien spielen - zu verstehen, sondern auch, aus diesen Positionen heraus eigene Ansätze und Initiativen zu entwickeln, die Indien gerne im Sicherheitsrat durchsetzen würde. So konkret musste ich vorher nie eigene Ideen entwickeln und sie als realistisch bewerben. Das erste Adventswochenende verbrachten wir also  eingeschneit auf der Huysburg, ließen die Studenten in uns fast zu Hause und wurden Vertreter unserer jeweiligen souveränen Staaten. So wie auf einer UN-Simulation wird man im normalen Studentenleben nicht gefordert: Der Ausgang der Simulation, also das Mächteverhältnis in dem simulierten Gremium hängt ganz entscheidend von jeder einzelnen Person ab. Die eigenen Schwerpunkte zum vorherrschenden Thema zu machen, ohne dabei die anderen zu langweilen oder zu aufdringlich zu wirken, ist nicht einfach. Falls es jedoch gelingt, ist man stolz auf die Ergebnisse. Ob man persönlich nun mit der Position des Landes sympathisiert oder nicht, spielt dafür keine Rolle – jedenfalls ging es mir beim Verhandeln so.

Im Dezember war dann auch klar, welches Land wir gemeinsam auf der letzten und größten Simulation in New York vertreten würden: den Libanon. Ein historisch und gesellschaftlich komplizierter gestricktes Land zu finden, wäre schwer geworden. Der Bürgerkrieg im Nachbarland Syrien, der den Libanon zu erfassen droht, macht die Situation für das Land selber nicht einfacher. Aber für uns war es nicht zuletzt deswegen sehr spannend, uns mit dem Libanon auseinandersetzen. Ich identifizierte mich so mit diesem Land, dass ich mich sogar ein wenig unwohl fühlte, als ich auf unsrer letzten Simulation einige Sekunden alleine in einem Aufzug mit einer Studentin verbringen musste, die Israel vertrat.

Bevor wir aber als Libanesen in NY verhandeln durften, spielte jeder wieder ein eigenes Land in unterschiedlichen Gremien der UNO auf der GerMUN (German Model United Nations), die in Strausberg in der Nähe Berlins stattfand. Der spannendste und auch spürbarste Unterschied im Vergleich zur Huysburg war, dass wir mit Studenten verhandelt haben, die wir vorher nicht kannten. Deswegen fällt es mir auch heute schwer, mich an ihre Namen zu erinnern. Trotz des abendlichen „socializing“ denke ich an sie vor allem als Germany, Togo oder United States. Mein Höhepunkt der Woche war der Termin, den unsere Orgas bei dem libanesischen Konsul in Berlin vereinbart hatten. Sehr offen hat er uns von der Situation und den Problemen seines Heimatlandes erzählt und auch kritische Fragen gerne beantwortet. Was und wie er erzählt hat, hat mich beeindruckt und entscheidend das Bild geprägt, was ich jetzt vom Libanon habe.

Nach der GerMUN widmeten wir all unsere Zeit – nicht nur im Seminar, sondern vor allem auch zu Hause – dem Libanon und den Gremien, in denen wir ihn in New York jeweils zu zweit vertraten. Meine Partnerin Laura und ich saßen zum Beispiel im „Committee for the Excercise of the Inalienable Rights of the Palestinian People (CEIRPP)/Ausschuss für die Ausübung der unveräußerlichen Rechte des palästinensischen Volkes“ und mussten dafür drei Themen vorbereiten. Der Libanon saß aber unter anderem auch in drei Ausschüssen der Generalversammlung und in regionalen Ausschüssen. Unsere Vorbereitung war mit vier Tagen „Hard-Working Phase“ im Februar abgeschlossen und Mitte März standen wir dann tatsächlich alle in New York im Hotel, bereit für die NMUN (National Model United Nations). Noch einmal hatten wir die Möglichkeit, mit einem libanesischen Konsul zu sprechen und auch die ständige Vertretung Deutschlands bei den Vereinten Nationen haben wir besucht. Vier Verhandlungstage lang machten wir die Positionen des Libanon in unseren Gremien stark und sahen uns nur abends, um zu hören, wie es für die einzelnen gelaufen ist. Im Nachhinein muss man sagen: Es lief ziemlich großartig. Zehn Preise haben wir mitgenommen, sowohl für die vorbereiteten „Position Papers“, als auch für die Arbeit in den einzelnen Gremien und für uns alle zusammen als „Distinguished Delegation“.

Mein persönlicher Höhepunkt waren die letzten Abstimmungen der simulierten Generalversammlung, die in den Räumlichkeiten der tatsächlichen Generalversammlung stattfanden. Unser Orga Julia stand dort, wo auch schon Ban Ki-moon, Barack Obama, Ahmadinedschad und, naja, auch Guido Westerwelle gesprochen haben und zwei von uns haben eine Rede vom Platz des Libanon aus gehalten. Alles, was wir in einem halben Jahr gelernt haben, wurde auf einmal sehr  fassbar. Dort wurde und wird immer noch Geschichte geschrieben - und wir waren da!

Abgesehen von diesen Eindrücken, einer Menge von Floskeln und Formeln und Verhandlungsabläufen habe ich durch MadMUN persönlich und fachlich sehr viel mehr gelernt als in jedem Seminar. Neben dem Wissen über die verhandelten Themen fällt es mir jetzt deutlich leichter, zielgerichtet und schnell zu arbeiten oder aus dem Stand kurze Reden zu halten. Ich freue mich sehr, die Chance bekommen und genutzt zu haben. Für ein halbes Jahr hat MadMUN entscheidend mein Leben geprägt. Und es war spannend, in jeder Hinsicht.

von Johanna Hase (2013)

Letzte Änderung: 24.11.2015 - Ansprechpartner: Webmaster
 
 
 
 
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