Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

 
 
 
 
 
 
 
 

Erfahrungsbericht

Im Sommer 2010 wurde ich auf ein Projekt an der Otto-von-Guericke Universität aufmerksam gemacht. Ein paar Studenten kamen in eine meiner Vorlesungen und erzählten uns von einem fakultätsübergreifenden Projekt, das sich MadMUN nennt – Magdeburger Model United Nations. Sie sagten, dass es sich dabei um ein Projekt handle, bei dem die UNO simuliert. Mein Interesse war geweckt, so ging ich einen Tag später zu dem Informationsabend. Mir gefiel die Idee sofort und so ging ich die nächste Woche auch zu dem Auswahltest. Als Studentin an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, war ich sehr aufgeregt, da ich schon wusste, was die UNO ist, aber da endete mein politisches Wissen auch schon. Trotz meiner eher miserablen politischen Kenntnisse, wurde ich zu einem Auswahlgespräch eingeladen. Der Anruf kam Am Sonntag, einen Tag nach meinem Interview – ich war dabei.

Gleich in der nächsten Woche hatten wir unser erstes Treffen, bei dem wir uns erst einmal kennenlernen konnten. Insgesamt waren wir 13 Delegates, wie wir ab dem Zeitpunkt genannt wurden. Am Ende des ersten Seminars bekamen wir unsere erste Aufgabe – wir sollten über den Sommer eine Hausarbeit schreiben über das Thema, welches wir zugeteilt bekommen hatten. Da ich bisher noch keine richtige Hausarbeit geschrieben hatte, war dies eine erste von vielen Herausforderungen, die ich meistern musste.

Nach den doch nun arbeitsreichen Semesterferien, ging MadMUN nun endlich los. Vor dem ersten Seminar waren alle ein wenig nervös, einige von uns hatten sich mit UNO-Wissen vorbereitet, andere, wie ich gingen unvorbereitet dort hin und ließen die Situation auf sich zukommen. Ein bisschen Vorbereitung hätte wohl nicht geschadet, denn uns wurden Länder zugeteilt und wir mussten eine kleine Rede halten. Auf meinem Schild stand Gabon – mein erster Gedanke war, das ist ja ein komischer Name, bis ich merkte, dass alle anderen einen Ländernamen zugeteilt bekommen hatten. Auch wenn mir meine Rolle unbekannt war konnte ich eine einigermaßen passable Rede halten.

So begann nun das MadMUN Semester. Schon in den ersten Wochen mussten wir Vorträge halten, Nachrichten und Informationen vortragen, Länderprofile schreiben und natürlich die erste Simulation vorbereiten. So lernte ich, wie ich unter Zeitdruck effektiv arbeite. Außerdem musste ich durch die vielen Reden und Vorträge schnell lernen zu improvisieren und frei auf Englisch zu reden.

Ende November ging es dann schon auf die Huysburg in der Nähre von Halberstadt zu unserer ersten Simulation. Dort fand eine interne Simulation des UN-Sicherheitsrats statt. Ich spielte die Rolle von Brasilien. Freitagmorgen fuhren wir zusammen in das eine Stunde entfernte Klostergelände der Huysburg, wo wir schon am Nachmittag die Sitzung des Sicherheitsrats eröffneten. Am Anfang fiel es uns allen schwer Reden zu halten und die Regeln zu befolgen doch schon am Abend waren wir halbe Profis im Umgang mit der prozeduralen Gestaltung. Am Ende eines fast schlaflosen und doch sehr interessanten Wochenendes, hatten wir eine Resolution verabschiedet, konnten eigentlich alle frei eine Rede halten und hatten nun das gesamte Regelwerk nahezu auswendig gelernt.

Am letzten Tag der ersten Simulation bekamen wir schon die nächsten Termine für das restliche Semester. Di ersten musste schon in anderthalb Wochen einen Vortrag halten. So ging der MadMUN Marathon weiter mit weiteren Hausarbeiten, Vorträgen und natürlich kleinen interaktiven Aufgaben.

Nach einer doch eher arbeitsreichen Weihnachtszeit und einem MadMUN vollen Januar, trafen wir uns im Februar 3 Tage zu der Hard Working Phase um uns auf unsere Rolle der Russischen Föderation in New York vorbereiten konnten. Die Repräsentation eines so großen und wichtigen Landes in der UN war eine Herausforderung. Da Russland in sehr vielen Komitees der UN vertreten ist, bildeten wir eine ‚Joint Delegation‘ mit der Ludwig-Maximilian-Universität München.  In diesen paar Tagen überarbeiteten wir unsere ‚Position Paper‘, das ist eine Arbeit, in der man Ideen und Meinungen zu bestimmten Themen aufschreibt, um dann bei der Simulation zu den gegebenen Themen vorbereitet ist. Die grundlegenden Ideen hatten wir schon in den Wochen nach Weihnachten vorbereitet, aber der Feinschliff fehlte noch. Nach 3 Tagen voller Arbeit, viel  Kaffee und wenig Schlaf hatten wir ein Paper geschrieben, das am Ende sogar den Award ‚Outstanding Position Paper‘ gewann.

Bevor es nun nach New York ging, trafen wir uns mit mehreren deutschen Unis in Berlin Wannsee, um für 5 Tage die Generalversammlung, den Wirtschafts-und Sozialrat und den UN-Sicherheitsrat zu simulieren. Da wir schon durch die interne Simulation sehr gut vorbereitet waren, konnten wir mit unserer Arbeitsweisen und unserem Wissen auftrumpfen. In Berlin trafen wir auch zum ersten Mal die Delegation aus München und freundeten uns gleich an. Und da wir schon mal in Berlin waren, haben wir der Russischen Botschaft einen Besuch abgestattet.

Am 13. April ging es dann für mich um 5 Uhr morgens in Magdeburg mit einem Bus Richtung Berlin, von wo wir Richtung New York fliegen sollten. Die meisten Magdeburger Studenten waren bereits Richtung Big Apple geflogen, um sich die Stadt ein wenig anzugucken, die letzte Gruppe, zu der ich gehörte flog nun an einem Mittwochmorgen los.  Nach gut 8 Stunden Flug und einer Stunde Taxi Fahrt, kamen wir in der Metropole an und waren beeindruckt von den Lichtern, den Hochhäusern und der Größe der Stadt.

An den ersten paar Tagen hatten wir ein bisschen Zeit uns die Stadt anzugucken und uns noch auf die bevorstehende Simulation vorzubereiten. Unter anderem hatten wir einen Termin bei der Deutschen Mission. Dort wurden wir von einem derzeitigen UN-Diplomaten begrüßt, der uns sehr freundlich empfing. Er erzählte uns, dass er heute Morgen erst um 5 Uhr ins Bett gegangen ist, da die Diplomaten noch so lange diskutiert haben. Unter anderem stellten wir ihm Fragen zum Libyen Konflikt, den UN-Umgangsformen, und und und.

Dann ging es endlich los mit der Simulation. Insgesamt war ca. 3000 Studenten anwesend und noch weitaus mehr Unterstützung und Staff.

Mit einem Kommilitonen zusammen, nahm ich an der Simulation des UNICEF Komitees teil. Die Arbeit hat unglaublich viel Spaß gemacht und es war sehr interessant zu sehen, wie unterschiedlich Studenten auf der ganzen Welt arbeiten. Da wir nur ein sehr kleines Komitee waren, kannte man sich schon nach einem Tag mit Vornamen und konnte so viel besser interagieren.  

Am Ende der fünftägigen Simulation konnte das UNICEF Komitee 3 Resolutionen verabschieden und wir die russische Delegation wurde mit einem Komitee Award ausgezeichnet. Dazu hatten alle, die bei UNICEF dabei waren abgestimmt, welches das beste Team war. Da dieser Award sehr viel mit Sympathie und Erscheinung zu tun hatte, freuten wir uns riesig über diese Auszeichnung.

In der Nacht zur Abschlussveranstaltung erfuhren wir dann noch, dass wir ein ‚Outstanding‘ Position Paper hatten und dann noch den Award als ‚Outstanding Delegation‘ bekommen hatten. Das war für uns die Belohnung für ein halbes Jahr Arbeit. Das schönste Erlebnis war dann natürlich, als wir im UN Gebäude, im Raum der Generalversammlung die Awards überreicht bekamen. Und so nahm das Projekt MadMUN auch ein würdiges Ende.

Mein Semester in der Welt der internationalen Politik hat nicht nur meinen Studienalltag aufgelockert und mir ein Thema praktisch nahegebracht, sondern hat mir auch sehr viel weiter geholfen. Zusammenfassend habe ich durch MadMUN gelernt mit Stress umzugehen und unter Zeitdruck zu arbeiten. Ich habe reden gelernt und mich rhetorisch weiterentwickelt.  Auch wenn das Projekt vielleicht thematisch nicht unbedingt in meinen Studiengang passt, hat es doch viel dazu beigetragen, dass ich nun in der Lage bin vieles schneller und effizienter zu lösen. Beispielsweise müssen wir nun Hausarbeiten schreiben und viele Vorträge halten. Das fällt mir um einiges leichter, weil ich das ein halbes Jahr lang geübt habe.

Abschließend kann ich sagen, dass mir das Projekt so viel Spaß gemacht hat und mich so viel weitergebracht hat, dass ich dieses Jahr im Organisations- und Tutor-Team mitwirke. 

Alice Katharina Bauer (2011)

Letzte Änderung: 28.11.2015 - Ansprechpartner: Webmaster
 
 
 
 
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MadMUN XIX
Kontakt:
madmun@ovgu.de https://www.facebook.com/madmun
 
 
 
 
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