Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

 
 
 
 
 
 
 
 
Delegation aus Magdeburg Koreaner auf Zeit 180
Magdeburger Studenten Zähes Ringen um Resolutionen 180
Studentin Friederike Wahl (rechts) Andere Kulturen, andere Lösungen 180 px
 
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Pressemitteilungen

Uno-Simulation in New York: Diplomaten auf Zeit

Einmal im Jahr treffen sich Delegationen aus aller Welt, um in New York die schwierige Arbeit der Vereinten Nationen zu simulieren. Magdeburger Studenten zum Beispiel vertraten diesmal Korea - Andreas Klingebiel war dabei.

Oliver ist sauer. In einer Sitzungspause macht er seinem Ärger Luft: "Als Vertreter der Republik Korea kann ich das nicht akzeptieren. Ich wurde nun inzwischen zum dritten Mal vom Vorsitzenden einfach als 'Korea' aufgerufen. Und das, obwohl ich ihn schon darauf hinwies, dass es zwei Staaten gibt, die das Wort Korea im Namen tragen." Eine kleine Notiz vom Rande des "National Model United Nations" (NMUN) Mitte April in New York. Nach einem kurzen Gespräch mit dem "Chair", dem Vorsitzenden, ist der Streit jedoch schnell beigelegt, und Oliver widmet sich wieder seiner inhaltlichen Arbeit im Wirtschafts- und Sozialrat.

 

Das NMUN ist die älteste und größte politische Simulation der Vereinten Nationen und findet seit 1946 jährlich in New York statt. Besonders reizvoll ist die Möglichkeit von einigen Sitzungen an den Uno-Originalschauplätzen. In diesem Jahr nahmen über 3000 Studenten aus der ganzen Welt teil, ein neuer Rekord. Oliver Gust war mit einer Studentengruppe aus Magdeburg angereist. Neben einigen anderen deutschen Teilnehmern war bereits zum dritten Mal in Folge eine Magdeburger Delegation dabei.

 

Die Simulation soll Studenten die Struktur und Funktionsweise der Uno-Gremien nahe bringen und sie mit den Spielregeln multinationaler Diplomatie vertraut machen. Die Verhandlungssprache für alle "Diplomaten auf Zeit" ist Englisch. Jede Delegation repräsentiert ein bestimmtes Land, jedoch nie ihr eigenes Herkunftsland. Die Delegierten agieren dann als Vertreter in verschiedenen Gremien, von der Generalversammlung über die Unesco bis zur WHO.

Die Magdeburger Studenten vertraten diesmal die Republik Korea. "Für uns als Europäer war es natürlich eine große Herausforderung, ein asiatisches Land zu spielen", betont Friederike Wahl. Die Studentin der Wirtschaftswissenschaften musste in der WHO zum Beispiel darlegen, welche Maßnahmen Südkorea zur Entwicklung eines Impfstoffes gegen HIV/AIDS ergriffen hat.

Starthilfe von der Vertretung Südkoreas

Daneben ging es auch um die Möglichkeiten menschlichen Klonens und die Bedrohung durch Terrorismus mit chemischen und biologischen Waffen. "Die intensive Vorbereitung zeigte mir oft, wie verschieden die Problemlösungsansätze in einem anderen Kulturkreis sind", so Friederike.

Die Teilnehmer studierten Bücher, recherchierten im Internet und besuchten zudem den Referatsleiter für die koreanische Halbinsel im Auswärtigen Amt. Große Unterstützung erfuhren sie auch von der Vertretung Südkoreas bei den Vereinten Nationen, die sich bei einem Empfang in New York viel Zeit für die Fragen nahm.

Deutschlandweit gibt es rund 20 Gruppen, die an akademischen Simulationen wie dem NMUN teilnehmen. Das so genannte "MadMUN", das "Magdeburg Model United Nations", existiert erst seit drei Jahren. "Nachdem ich mehrere Jahre ein ähnliches Projekt an der LMU München betreut hatte, versuchte ich, auch in Magdeburg eine Gruppe aufzubauen", erzählt Reinhard Wesel, Dozent am Institut für Politikwissenschaft, "der Erfolg zeigte sich gleich im ersten Jahr, wo die Magdeburger Studenten für ihre hervorragende Darstellung Cyperns in New York zwei Preise erhielten."

Trainingslager der deutschen Teilnehmer

Wegen der guten Verbindungen entschloss man sich auch, neben Südkorea (Magdeburg) und Mexiko (München) in diesem Jahr gemeinsam eine Nichtregierungsorganisation zu vertreten, die "International Coalition for Development Action". Die Koalition Magdeburger und Münchner Studenten erhielt für ihr großes Engagement in New York zwei Preise. Beide Gruppen hatten sich kurz zuvor bereits in Straussberg mit allen deutschen Delegationen zum "German Model United Nations" getroffen - eine optimale Vorbereitung auf die Simulation in New York.

Bei den langen Debatten in New York ergaben sich mitunter überraschende Einsichten, die in der politischen Realität sicher nicht leicht vorstellbar sind. Oliver Gust meint dazu schmunzelnd: "Bei uns im Wirtschafts- und Sozialrat kursierte ein Resolutionsentwurf, in dem sich eindringlich alle Unterzeichner verpflichteten, das Klimaschutzprotokoll von Rio de Janeiro zu unterzeichnen und zu ratifizieren. Während einer längeren Diskussion trat die Vertreterin der USA hinzu und bekundete, dass sie dies unterstützen möchte. Wir nahmen das mit großem Erstaunen zur Kenntnis."

Am letzten Tag wurde die Arbeit der Magdeburger Studenten dann auch gebührend gewürdigt. Bei der Abschlussveranstaltung im Gebäude der Vollversammlung erhielten sie einen der begehrten "Position Paper Awards" für ihre Präsentation der Republik Korea.

Von Andreas Klingebiel

 

Original:

http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/uno-simulation-in-new-york-diplomaten-auf-zeit-a-247705.html

Letzte Änderung: 28.11.2015 - Ansprechpartner: Webmaster
 
 
 
 
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MadMUN XIX
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